Ergänzung zum Jahresbericht 2016

(Der Bericht der ersten Hälfte des zweiten Schuljahres 2016/2017 wird hier ergänzt, weil ich beschlossen habe, die Organisation des Projektes „Hofpädagoge“ nach dem Kalenderjahr auszurichten. So läuft die Finanzierung und auch die Berichterstattung in Zukunft nach dem Kalenderjahr.)

Das zweite Schuljahr begann ebenfalls mit Schwung und Elan. Im 1. Quartal des 2. Jahres kamen schon 1/3 mehr Schüler auf dem Hof als im letzten Jahr. Im 1. Halbjahr waren an 81 von 90 Schultagen Schüler auf dem Hof. Die Nachmittage waren sehr regelmässig besucht: Montags kam die 2. und 3. Klasse aus der Rudolf Steiner Schule Münchenstein; am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag hatte ich jeweils Kinder zum Nachmittagsangebot; den Freitag habe ich frei gehalten. 80% der Vormittage bis Ende November waren jeweils von Klassen besucht. So könnte man den Eindruck haben, dass die Kapazität des Hofes doch bald erreicht sei, was Klassenbesuche anbelangt. Das stimmt auch im Zeitraum Sommer bis Herbst. Zwischen Herbst bis Spätfrühling gibt es jedoch längere Zeiträume wo ich wenig mit Klassen zu tun habe. Hier erhoffe ich mir noch mehr Aktivität.

Mit einer Klasse weniger als im Vorjahr habe ich das Projekt vom Korn zum Brot durchgeführt. Dafür sind bei der Kartoffelernte zwei Klassen aus staatlichen Schulen dazu gekommen und wir konnten bis auf vier Reihen sämtliche Kartoffeln mit Schülern ernten.

Zu den Projekten mit den Klassen kam zu dem bisherigen Angebot ein weiteres hinzu durch eine Anfrage einer 6.-Klass-Lehrerin aus der Primarschule Arlesheim. Sie haben in der Schule Tiere durchgenommen, insbesondere die Kuh und die Kuhhaltung, und wollten nun einen Kuhstall in Wirklichkeit sehen. Zum theoretischen Teil sassen die Kinder vor den Kühen, wo sie alle ihre Fragen stellen konnten. Für den praktischen Teil wurden die Kinder aufgeteilt zum Stroh verteilen, Heu laden und zum Abmessen von einem Hektar Land. Zum Abschluss gab es eine Mutprobe: diejenigen, die wollten durften vom Heustock in den mit Heu beladenen Ladewagen springen. Mit Freude und Begeisterung verliessen die 24 Kinder unseren Hof.

Ein neues Projekt habe ich begonnen mit einem Hofladen. In der 6. Klasse wacht der Sinn für das Wirtschaftliche auf, so habe ich mit den 6.-Klässlern der Rudolf Steiner Schule Birseck einmal in der Woche, Freitags von 11:00 – 13:00 an der Schule einen Marktstand aufgebaut und die Produkte vom Hof verkauft, die zum Teil auch von Schülern hergestellt wurden. Auch die Produkte, die die Kinder im Gartenbau hergestellt haben, haben wir zum Verkauf angeboten. Das Zielpublikum waren vorerst die Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen. Jeden Freitag halfen 3 – 4 Schüler beim Aufbau und beim Verkauf. Bei einigen Produkten wie Most, Kartoffeln, Zwiebeln haben jüngere Kinder mitgeholfen bei der Ernte oder Produktion und die älteren 6.-Klässler dürfen diese nun Verkaufen. Das Anpreisen der Produkte, das schön Gestalten, der richtige Preis, das Verkaufen usw. sind noch ganz neue Aspekte, die zu dem eigentlichen Produkt noch hinzu kommen. Einige 2.-Klässler kamen zum Schauen und haben sich versichert, ob jetzt das der Most ist, den sie gepresst haben. Da wird die Brücke vom eigenen Arbeiteten zum grösseren Zusammenhang erlebbar.

Die beiden Gruppen des Nachmittagsangebots haben sich sehr etabliert! Die Kinder kommen nach wie vor sehr regelmässig und leben sich ganz schön in die Bauernhoftätigkeiten hinein. Die Lieblingstätigkeit ist zur Zeit das „Heu laden“. Im Heustock ist es sehr gemütlich, ausserdem kann man herumspringen und Höhlen bauen.

Im TimeOut-Bereich hatte ich gegen Ende des Jahres einige Anfragen, die jedoch alle abgesagt wurden. So blieb mir mehr Zeit die Infrastruktur zu verbessern. Zum Beispiel brauchte der Mostanhänger – der Anhänger, auf dem die Mostpresse befestigt und alles Zubehör verstaut ist – ein eigenes Verdeck, damit er vor den Spatzen und dem Regen in Sicherheit ist.         
Für die Infrastruktur, insbesondere was die Arbeit mit den Schülern betrifft, wurden einige Sachen gemacht: Anschaffungen von Werkzeug für eine ganze Klasse, Aufbewahrungsort für all die Werkzeuge, Garderobe für 30 Schüler, Bauwagen für Znüni in kalten Zeiten instand gesetzt, Dreschmaschine und Röndel renoviert und verbessert, und noch vieles mehr.

Etwas sei noch zu den Tieren gesagt. Im September kamen durch einen Notfall einer Kollegin in Seewen 2 Kühe, 2 Ponys und 2 Esel zu uns. Des weiteren kamen im Dezember die 5 Schafe von der Goetheanum-Gärtnerei in unsere Obhut. Für mich und die Kinder war dies ein Glücksfall, weil dadurch die Arbeit mit den Tieren erprobt werden konnte: Schafe füttern und umzäunen, Eselstall ausmisten, Ponys striegeln und reiten. Die Schafe, wie die Esel und Ponys werden im kommenden Frühjahr allerdings wieder zurückgehen.

 

Wolfgang Unger                                                                          Duggingen, 14. Februar 2017

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